Tätigkeiten

Forschung

Der Verein versucht das historische Gotisch noch weiter zu erforschen. Viele wissenschaftliche Betrachtungen sind bereits mehrere Jahrzehnte alt. Der Forschungsstand hat sich seitdem eentuell verändert. Deshalb wollen wird eine neuere gotische Forschung initiieren. Das Gotische kann in vielerlei Hinsicht die historische Linguistik und die Indogermanistik noch bereichern und dazu beitragen, mehr Erkenntnisse hierüber zu gewinnen. Es gibt verschiedene Sprachdenkmäler, derer man sich bedient, die wichtigsten sind unter anderem die Wulfila-Bibel und die Skeireins. Sie liefern einen guten Einblick in die Lexik und Grammatik des Gotischen, lassen allerdings noch viele Fragen offen. Diese zu klären, haben wir uns zur Aufgabe gesetzt. Vieles wurde schlichtweg nicht überliefert. Solche Strukturen oder Wörter können dann durch die Erkenntnisse der historischen Sprachwissenschaft und durch Vergleiche zu anderen germanischen Sprachen rekonstruiert werden, wenn auch nicht mit absoluter Genauigkeit. Der Übergang zur Arbeit am „Neogotischen“ ist deshalb fließend.

Neogotisch

Das Neogotische ist eine Weiterentwicklung der historischen gotischen Sprache. Es handelt sich dabei um ein dezentrales Sprachausbau-Projekt, das vor allem von vielen Freiwilligen der ganzen Welt vorangetrieben wird, die sich im Internet austauschen. Die Lücken und Fragen der Grammatik werden durch verschiedene Methoden versucht, gefüllt und beantwortet zu werden. Außerdem wird der Wortschatz erweitert und der Aktualität des modernen Lebens angepasst. Das bedeutet, dass Wörter gefunden werden müssen, die den Wortschatz in der Art komplementieren, dass sich quasi alles in dieser Sprache ausdrücken lässt. Hierin steckt die meiste Arbeit, da man nie damit fertig ist, weil stets neue Begriffe für die sich verändernde moderne Welt gefunden werden müssen. Aber nicht nur moderne Begriffe müssen neu kreiert werden; auch Lücken in einigen Grammatikparadigmen und anderes müssen geklärt werden. Um den Wortschatz zum Zeitpunkt der Wulfilfa-Bibel erschöpfend wiederzugeben, reichen die Sprachdenkmäler freilich bei weitem nicht aus. Ganz banale und alltägliche Wörter haben daher noch keine Entsprechung in der Überlieferung.

Die neuen Begriffe und Grammatikstrukturen werden nicht schlicht ausgedacht, sondern gründen meist auf Vergleichen mit anderen Sprachen, sind Fremdwortimporte, die an dieser Stelle vertretbar erscheinen oder sind phonologisch rekonstruiert. Im Allgemeinen zeichnet sich stets ein gewisser Konservatismus ab, da versucht wird, möglichst genuin gotische Wörter zu benutzen, zum Beispiel als Rekonstrukt, das möglichst genau dem eventuellen gotischen Wort entspricht, oder auch als bereits überliefertes Wort aber mit einer Bedeutungserweiterung auf den neu zu findenden Begriff.

Revitalisierung

Dies bedeutet nicht, dass es unser Ziel ist, Gotisch als Pflichtfach in der Schule einzuführen oder es jemandem aufzuzwingen. Hierbei geht es darum, dass Gotisch bei solchen, die Interesse und Spaß daran haben, lebendiger werden könnte. Wir unterstützen Gruppen von Menschen, die versuchen, miteinander in Gotisch zu kommunizieren. Auch einen ersten Muttersprachler nach ca. 1.500 Jahren des Sprachtodes würden wir herzlich begrüßen. Die sprachliche Diversität nimmt zunehmend ab, wo es damals das römische Reich und seine Kreuzzüge waren, ist es heute die Globalisierung und das Englische. Einen entschiedenen Schritt gegen die sprachliche Eintönigkeit wäre es, Kundige und Interessierte zu motivieren, Gotisch als Sprache zu verwenden, ob zuhause oder in der Öffentlichkeit. Um eine erfolgreiche Revitalisierung zu ermöglichen, ist natürlich zunächst ein umfassender Ausbau der Sprache hin zum Neogotischen vonnöten.

Beratung

Zudem übernimmt der Verein eine beratende und stellvertretende Funktion ein. Wann immer Fragen das Gotische betreffend oder Übersetzungsanfragen aufkommen, steht es beratend zur Seite und hilft hierbei. Außerdem setzt er sich für das Gotische ein und vertritt es in der Öffentlichkeit.

Publikationen

Der Verein plant, in absehbarer Zukunft Publikationen zum Thema Gotisch zu veröffentlichen.

Bibliothek

Wir sind zudem darum bemüht, eine Bibliothek aufzubauen, die versucht möglichst viele Werke über das Gotische zu sammeln und zu dokumentieren. Da der Verein keine Einnahmen hat und sich auf Spenden und Privatzuschüsse stützt, wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen, bis eine nennenswerte Sammlung zustande kommt. Bisher haben wir einen Bestand von rund 60 Büchern.

Andere Sprachen

Als reine Nebenbeschäftigung beschäftigt sich der Verein auch mit anderen Sprachen. Vorrangig den ostgermanischen Sprachen kommt hier Beachtung zu, da sie mit dem Gotischen eng verwandt sind. Selbstredend hat neben Gotisch natürlich auch das Krimgotische einen großen Stellenwert in der forschenden Tätigkeit des Vereines. Weiter können auch alte germanische Sprachen wie Altenglisch, Altnordisch, Altsächsisch, Altfriesisch und Althochdeutsch sowie ihre Nachkommen hier behandelt und untersucht werden. Da eine große sprachliche Verwandtschaft zwischen diesen Sprachen herrscht, sind sie auch für die gotische Forschung nicht unerlässlich.